Was ist eine Weinklassifikation?
Eine Weinklassifikation bindet einen Wein an eine abgegrenzte Herkunft und an die Regeln, die dort gelten: welche Rebsorten erlaubt sind, wie viel pro Hektar geerntet werden darf und manchmal, wie lange der Wein reifen muss. In der EU gibt es zwei geschützte Stufen. Die höchste ist die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.), darunter folgt die geschützte geografische Angabe (g.g.A.). Jedes Land hat eigene Namen für diese Stufen, und genau die sehen Sie auf dem Etikett.
Die Idee dahinter ist eng mit dem Terroir verwandt: Ein abgegrenztes Gebiet mit eigenem Boden und eigenem Klima bringt Weine mit gemeinsamem Charakter hervor. Die Klassifikation schützt diese Herkunft.
Die Klassifikationen Land für Land
Frankreich: AOC, IGP und Vin de France
AOC (Appellation d'Origine Contrôlée), heute oft AOP auf dem Etikett, ist die strengste Stufe. Im Burgund gibt es innerhalb der AOC zusätzlich eine Treppe: regionale Appellation, Dorf, Premier Cru und Grand Cru. IGP, früher Vin de Pays, hat freiere Regeln für Rebsorten und Erträge. Vin de France nennt nur das Land als Herkunft.
Italien: DOCG, DOC und IGT
DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) ist Italiens höchste Stufe. Der Wein muss vor dem Verkauf eine Analyse und eine Verkostung bestehen, und die Flasche bekommt eine nummerierte staatliche Banderole um den Hals. Beispiele sind Barolo und Barbaresco im Piemont und Chianti Classico in der Toskana. Danach folgen DOC, IGT und schlicht Vino. Riserva auf dem Etikett bedeutet, dass der Wein länger gereift ist als die Grundversion.
Spanien: DOCa, DO und Vino de la Tierra
DOCa ist die höchste Gebietsstufe und gibt es nur für Rioja und Priorat, das in Katalonien DOQ heißt. Vino de Pago gilt für einzelne Weingüter mit eigener Bezeichnung. Danach folgen DO, zum Beispiel Ribera del Duero und Bierzo, und Vino de la Tierra, eine freiere regionale Stufe. In Rioja zeigen Crianza, Reserva und Gran Reserva außerdem, wie lange der Wein gereift ist. Weitere Beispiele finden Sie unter Weine aus Spanien.
Österreich: DAC
DAC (Districtus Austriae Controllatus) verbindet ein Gebiet mit einer typischen Rebsorte und einem Stil, zum Beispiel Grüner Veltliner im Weinviertel DAC oder Zweigelt im Neusiedlersee DAC im Burgenland. Innerhalb der DAC-Gebiete werden die Weine oft in drei Stufen eingeteilt: Gebietswein aus dem Gebiet, Ortswein aus einem Dorf und Riedenwein aus einer einzelnen Lage.
Deutschland: von Deutscher Wein bis Prädikatswein
Das deutsche Weinrecht kennt vier Stufen:
- Deutscher Wein: Wein, dessen einzige Herkunftsangabe Deutschland ist, die Stufe, die früher Tafelwein hieß.
- Landwein: die g.g.A.-Stufe, mit freieren Regeln innerhalb eines größeren Gebiets.
- Qualitätswein: die g.U.-Stufe, aus einem der 13 deutschen Anbaugebiete, zum Beispiel Mosel oder Pfalz.
- Prädikatswein: g.U.-Wein, der nach der Reife der Trauben bei der Lese eingeteilt wird, von Kabinett und Spätlese, die später gelesen wird, über Auslese und Beerenauslese bis zu Eiswein und Trockenbeerenauslese.
Mit dem Weingesetz von 2021 verschiebt sich der Schwerpunkt zur Herkunft, wie in Frankreich: Je kleiner und genauer die Herkunft, desto strenger die Regeln. Die Pyramide reicht vom Anbaugebiet über Region und Ort (Ortswein) bis zur Einzellage (Lagenwein), und die Änderungen werden schrittweise mit Übergangsfristen eingeführt.
Neben dem Gesetz gibt es den VDP, einen Verband deutscher Weingüter mit einer eigenen Pyramide in vier Stufen: Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage. Ein trockener Wein aus einer Großen Lage heißt Großes Gewächs, abgekürzt GG.
Was die Klassifikation nicht verrät
Eine strengere Stufe bedeutet strengere Regeln, nicht automatisch einen Wein, der zu Ihnen passt. Winzer und Jahrgang zählen mindestens genauso viel. Über den Anbau sagt die Klassifikation ebenfalls nichts, denn ökologischer und biodynamischer Anbau sind eigene Zertifizierungen. Auf unseren Weinseiten steht die Klassifikation unter Produktdetails in der Zeile Klassifikation, eine Zertifizierung in der Zeile Zertifizierung.
Warum tragen so viele Naturweine „nur“ Vin de France?
Viele Winzer fallen aus der Appellation heraus oder verzichten bewusst auf sie. Das kann daran liegen, dass sie Rebsorten oder Methoden verwenden, die die Regeln nicht erlauben, oder daran, dass der Wein bei der Prüfung der Appellation als untypisch abgelehnt wird, was bei unfiltrierten Naturweinen häufig vorkommt. Deshalb steht auch auf hochwertigen Naturweinen oft Vin de France oder IGT.



