Weinfarbe: was die Farbe bei der Verkostung verrät

Die Farbe des Weins kommt aus den Traubenschalen. Wie viel Farbe ein Wein bekommt, hängt von der Rebsorte ab, davon, wie lange die Schalen mit dem Most in Kontakt bleiben, und davon, wie alt der Wein ist. Deshalb verrät Ihnen ein Blick ins Glas schon viel über den Stil, bevor Sie überhaupt gerochen oder probiert haben.

Woher kommt die Farbe?

Der Saft fast aller Trauben ist farblos, egal ob die Trauben weiß oder rot sind. Die Farbstoffe, Anthocyane genannt, stecken in den Schalen der roten Trauben. Was die vier Weinfarben unterscheidet, ist deshalb vor allem, wie die Trauben nach der Lese verarbeitet werden:

  • Weißwein: meist weiße Trauben, die sofort gepresst werden, sodass der Most ohne Schalen gärt.
  • Roséwein: rote Trauben, deren Schalen nur kurz mit dem Most in Kontakt bleiben, von einigen Stunden bis zu ein paar Tagen.
  • Orange Wein: weiße Trauben, die mit ihren Schalen gären, von einigen Tagen bis zu mehreren Monaten.
  • Rotwein: rote Trauben, die mit ihren Schalen gären, meist eine bis mehrere Wochen.

Es gibt Ausnahmen. Einige wenige Rebsorten, etwa Alicante Bouschet, haben rotes Fruchtfleisch. Und weil der Saft farblos ist, lässt sich aus roten Trauben auch Weißwein machen, wie beim Blanc de Noirs aus der Champagne.

So betrachten Sie die Farbe

Halten Sie das Glas schräg vor einen weißen Hintergrund, etwa eine Tischdecke oder ein Blatt Papier. Viele Verkoster machen das, weil eine weiße Fläche die eigene Farbe des Weins zeigt, ohne dass Tisch oder Licht den Eindruck verfälschen. Wenn Sie das Glas neigen, ist die Weinschicht in der Mitte tief und zum Rand hin dünn. Achten Sie auf drei Dinge:

  • Farbton: welche Farbe es ist, zum Beispiel Rubin, Granat, Strohgelb oder Bernstein.
  • Intensität: wie tief die Farbe in der Mitte ist. Sie sagt etwas über die Rebsorte und darüber, wie lange die Schalen mit dem Most in Kontakt waren.
  • Rand: Junge Weine haben eine gleichmäßige Farbe bis ganz nach außen, ältere bekommen einen helleren Rand, der ins Braune oder Orange geht.

Farben im Rotwein

Die Rebsorte setzt den Rahmen. Dickschalige Sorten wie Syrah und Malbec geben eine tiefe, fast undurchsichtige Farbe, während Pinot Noir (Spätburgunder) dünne Schalen hat und oft einen helleren, durchscheinenden Rotwein ergibt.

  • Lila und Violett: ein junger Wein, oft aus Rebsorten wie Syrah oder Malbec.
  • Rubin: das klassische Rot, jung bis mittelalt.
  • Granat (grenat): tiefes Rot mit einem Hauch von Braun. Das kann bedeuten, dass sich der Wein zu entwickeln beginnt, aber Rebsorten wie Nebbiolo und Grenache gehen schon jung ins Granat. „Intense grenat“ bedeutet eine tiefe, konzentrierte Granatfarbe.
  • Ziegelrot und Lederbraun: ein gereifter Wein, der mehrere Jahre gelagert wurde.

Mit den Jahren verbinden sich die Farbstoffe mit den Tanninen und setzen sich als Depot ab. Deshalb wird Rotwein mit dem Alter heller.

Farben im Weißwein

Weißwein geht den umgekehrten Weg. Er wird mit dem Alter dunkler, weil der Wein langsam oxidiert.

  • Blass mit grünem Schimmer: jung und frisch, oft aus kühleren Gegenden und ohne Holzfass ausgebaut.
  • Strohgelb: die häufigste Farbe bei Weißweinen.
  • Goldgelb: oft reifere Trauben, Ausbau im Holzfass oder ein älterer Wein.
  • Bernstein: ein älterer oder oxidativ ausgebauter Wein oder ein Wein, der mit den Schalen gegoren hat.

Auch das Klima spielt mit, weil es beeinflusst, wie reif die Trauben werden. Mehr darüber, wie der Ort den Wein prägt, lesen Sie auf der Seite über Terroir.

Farben im Roséwein

Roséwein bekommt seine Farbe, weil die Schalen nur kurz mit dem Most in Kontakt sind. Je länger, desto tiefer die Farbe: von blassem Lachsrosa und Zwiebelschale bis zu Kirschrosa und tiefem Himbeerrot. Auch die Rebsorte spielt eine Rolle, weil manche roten Trauben in derselben Zeit mehr Farbe abgeben als andere. Ob ein Rosé trocken oder süß ist, verrät die Farbe dagegen nicht.

Farben im Orange Wein

Orange Wein wird aus weißen Trauben gemacht, die wie beim Rotwein mit ihren Schalen gären. Die Schalen geben Farbe, von Goldgelb bis zu tiefem Orange und Bernstein, und dazu etwas Tannin. Die Methode hat eine lange Tradition in Georgien, wo der Wein in Tongefäßen gärt, die Qvevri heißen. Heute wird Orange Wein in vielen Ländern gemacht, unter anderem in Italien, Slowenien und Österreich.

Was die Farbe nicht verrät

Die Farbe sagt etwas über Stil, Rebsorte und Alter, aber nichts über die Qualität. Ein heller Wein kann genauso komplex sein wie ein dunkler. Sie verrät auch nicht, welche Qualitätsstufe der Wein nach den Regeln seines Landes hat. Das steht auf dem Etikett, und mehr darüber lesen Sie auf der Seite über Weinklassifikationen.

Ein Rotwein, ein Weißwein, ein Rosé und ein Orange Wein. Vergleichen Sie die Farbbeschreibungen der Winzerinnen und Winzer auf den Weinseiten mit der Farbskala oben.

Häufige Fragen

Wovon hängt die Farbe des Weins ab?

Die Farbe kommt aus den Traubenschalen, denn der Saft fast aller Trauben ist farblos. Wie viel Farbe ein Wein bekommt, hängt von der Rebsorte ab, davon, wie lange die Schalen mit dem Most in Kontakt bleiben, und vom Alter des Weins. Rotwein gärt eine bis mehrere Wochen mit den Schalen, Rosé hat kurzen Schalenkontakt und Weißwein wird meist sofort gepresst.

Bedeutet eine dunklere Farbe einen besseren Wein?

Nein. Die Farbe sagt etwas über Stil, Rebsorte und Alter, nicht über die Qualität. Pinot Noir hat dünne Schalen und ergibt oft einen hellen, durchscheinenden Wein, der trotzdem sehr komplex sein kann. Ein tief gefärbter Wein aus einer dickschaligen Sorte wie Syrah ist nicht besser, weil er dunkler ist, sondern einfach anders.

Warum wird Rotwein mit dem Alter heller und Weißwein dunkler?

Im Rotwein verbinden sich die Farbstoffe mit den Jahren mit den Tanninen und setzen sich als Depot ab, sodass die Farbe heller wird und ins Ziegelrote und Braune geht. Weißwein hat keine solchen Farbstoffe, die er verlieren könnte. Er oxidiert stattdessen langsam und wird dunkler, von Strohgelb zu Goldgelb und Bernstein.

Was ist der Unterschied zwischen Orange Wein und Rosé?

Orange Wein wird aus weißen Trauben gemacht, die Tage oder Monate mit ihren Schalen gären, sodass die Farbe goldgelb, orange oder bernsteinfarben wird und der Wein etwas Tannin bekommt. Rosé entsteht aus roten Trauben, die nur kurz Kontakt mit den Schalen haben, meist einige Stunden bis ein paar Tage. Beide bekommen ihre Farbe also aus den Schalen.

Kann man aus roten Trauben Weißwein machen?

Ja. Der Saft der meisten roten Trauben ist farblos. Werden die Trauben schonend gepresst und wird der Most sofort von den Schalen getrennt, bleibt der Wein weiß. Das nennt man Blanc de Noirs, und in der Champagne ist es verbreitet: Dort werden Pinot Noir und Pinot Meunier für weiße Schaumweine verwendet.

Wo sehe ich die Farbe eines Weins bei Free Grape Society?

Auf den Weinseiten steht bei den Angaben zum Wein die Zeile Farbe. Dort beschreibt die Winzerin oder der Winzer die Farbe oft mit eigenen Worten, zum Beispiel „light ruby red, tending towards garnet with aging“, meist auf Englisch. Vergleichen Sie die Angabe mit der Farbskala auf dieser Seite, dann sehen Sie, was sie über Rebsorte, Schalenkontakt und Alter verrät.

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